VAMOS JUNTOS | Freundeskreis Deutschland - Bolivien e.V.

Gesundheit

Prävention im Gesundheitsbereich

Unsere Arbeit orientiert sich besonders an den Zielvorgaben der Prävention und Nachhaltigkeit. Maßnahmen, die geeignet sind, Notsituationen vorzubeugen, können eine zumeist sehr aufwändige nachsorgende Hilfe ersetzen. So fängt Gesundheit für uns nicht erst im Krankheitsfall an.
Wir organisieren verschiedene Workshops zu Themen wie beispielsweise gesunde Ernährung, Hygiene, Krebsvorsorge, HIV und Aids oder Familienplanung.
In den großen Seminarräumen ist Platz für viele Menschen. Gemeinsam diskutieren, nachdenken, sich informieren und über persönliche Erfahrungen austauschen, macht hier besonders Freude. Nicht nur Schuhputzer sind eingeladen, sondern auch ihre Familien. Da der Besuch für die Familien, die im Krankheitsfall eine reguläre Unterstützung erhalten, verpflichtend ist, können wir hier besonders viele Menschen direkt und persönlich erreichen.

Individuelle Unterstützung in Krankheitsfällen (Krankheit und Notsituationen)

In Notsituationen sind wir für die Schuhputzer immer erreichbar. Bei gesundheitlichen Notfällen, beispielsweise bei notwendigen Arzt- oder Krankenhausbesuchen nach einem Unfall. Aber auch bei alltäglichen gesundheitlichen Beschwerden, wie Sehschwierigkeiten und der Notwenigkeit einer Brille –  als zuverlässige Ansprechpartner beraten und begleiten wir die Schuhputzer.
Medikamente sind sehr teuer – die Schuhputzer müssen die entstehenden Kosten selbst tragen. Das ist bei 50 bis 70 verdienten Euro im Monat besonders in schweren Fällen schlicht unmöglich. Zumal jeder Tag, an dem Schuhputzer nicht arbeiten können, für sie viele verlorene Arbeitsstunden bedeuten. Wir unterstützen sie in solchen Situationen nicht nur finanziell, sondern stehen auch mit Rat und Tat zur Seite.
Gerade plötzlich notwendige Operationen stellen die Familien oft vor ein unüberwindliches Hindernis. Martín, 33 Jahre alt und Familienvater von drei Kindern zwischen drei und zwölf Jahren, hatte sich beim Fußballspielen das Bein gebrochen. Allein die Materialkosten beliefen sich auf 3.187,00 Bolivianos; dies waren umgerechnet etwa 350,00 Euro. Hinzu kamen Voruntersuchungen wie Röntgenaufnahmen und Laboruntersuchungen, Medikamente, die Kosten des Krankenhausaufenthaltes und natürlich auch der Verdienstausfall. Seine Frau erstellt zu Hause Decken in Handarbeit, die sie anschließend auf Märkten verkauft. Allerdings ist Martín der Hauptversorger der Familie. Er putzt täglich Schuhe im Stadtzentrum von La Paz. Ohne die Unterstützung bei den Materialkosten hätte Martín sich die Operation nicht leisten können. Außerdem hat VAMOS JUNTOS für diese Zeit ihm Krücken geliehen und unterstützte die Familie in den folgenden drei Monaten beim Kauf von Lebensmitteln in Höhe mit 200,00 Bs pro Monat. Inzwischen kann Martín wieder normal laufen und sich um den Unterhalt seiner Familie kümmern.
Der Fall von Fernando (28 Jahre) ist ähnlich. Er zog sich bei einem Sturz so schwere Hirnverletzungen zu, dass er notoperiert werden musste. Das Krankenhaus führte die Operation aber erst durch, nachdem wir die Zahlung der Operation in Höhe von 780 Euro zugesichert hatten. Ohne diese Zusicherung von unserer Seite wäre die Operation nicht erfolgt und Fernando wäre mit ziemlicher Sicherheit gestorben. So übernahm VAMOS JUNTOS die Operationskosten und die Familie danach die Kosten für die Medikamente und die Folgekosten für die Nachbehandlung. Die Wahrscheinlichkeit, dass Fernando nach der Operation behindert gewesen wäre, lag bei über 80%. Es grenzt an ein Wunder, dass er die Operation ohne Folgeschäden überstanden hat.
Wir kooperieren zudem mit Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen und verschiedenen Institutionen im Gesundheitsbereich. Dieses wachsende Netzwerk erleichtert Schuhputzern, die notwendige gesundheitliche Versorgung zu erhalten.
Auch im Fall chronischer Krankheit können die Schuhputzer die Kosten für die erforderlichen Medikamente nicht aufbringen. In diesen Fällen unterstützen wir nach Möglichkeit mit Patenschaften.

Patenschaften Spenden Romulo Hörgeräte

Förderung der Resozialisierung von Alkohol- und Klebstoffabhängigen

La Paz liegt auf 3000-4000 Metern Höhe. Und nicht nur nachts wird es bitterkalt . . . Sich durch Alkohol zu wärmen und für einen Augenblick die Welt zu vergessen – dies ist leider keine unübliche Praxis unter Schuhputzern. Wird dieses „ab und zu“ zur Gewohnheit, nehmen die Schwierigkeiten allerdings nicht ab, sondern zu. Zu psychischen Belastungen kommen schnell auch familiäre Probleme und existenzielle Geldsorgen. Diese fördern wiederum die Tendenz zur Abhängigkeit.
Entschließen sich Schuhputzer für einen Kampf gegen ihren Konsum, können sie bei uns Unterstützung bekommen durch persönlichen Kontakt und ein offenes Ohr, dadurch, dass an sie geglaubt wird. Materialien wie die „Abstinenz-Karte“ oder das „Trinktagebuch“ sind wichtige Hilfsmittel, um einen bewussteren Umgang mit dem Alkohol zu erlernen. Die Abstinenz-Karte gibt der abhängigen Person die Möglichkeit, sich stets zu vergewissern, warum und wozu sie abstinent leben möchte, ein handfestes Stück Erinnerung, das ihr vor Augen führt, wozu die Abstinenz gut ist (fünf pro-Argumente) und welche Nachteile das Trinken haben würde (fünf contra-Argumente, die die Risiken aufzeigen). Im Trinktagebuch geht es um selbstkontrolliertes Trinken, in dem sich die Person selbst klare Grenzen für den eigenen Alkoholkonsum setzt.
Natürlich begleiten wir abhängige Personen auch zu beratenden Stellen. Unser Netzwerk aus Kontakten umfasst Psychologen, Familienberater und Gruppen wie die Anonymen Alkoholiker (AA). Die Aufnahme in ein Rehabilitationszentrum unterstützen wir mit bis zu 100% der Aufnahmekosten.
Bei Entscheidungen unterstützen und mitdenken: Dies ist in unseren Augen eine notwendige Grundlage für Schritte aus der Abhängigkeit.

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