VAMOS JUNTOS | Freundeskreis Deutschland - Bolivien e.V.

Spiel und Spaß – Soziokulturelle und sportliche Aktivitäten

Natürlich soll Spiel und Spaß bei unserer Arbeit auch nicht zu kurz kommen.

So laden wir die Schuhputzer und ihre Familienangehörigen zu verschiedenen Festen und Feiertagen ein, um die Gemeinschaft unter ihnen, aber auch die Verbindung zu VAMOS JUNTOS zu stärken. Da die Familie bei uns im Mittelpunkt steht, feiern wir die einzelnen Festtage zu Ehren der Väter (19. März), der Kinder (12. April) und der Mütter (27. Mai). Die Kinder werden sogar am 21. September, dem Tag der Schülerinnen und Schüler, noch ein zweites Mal gefeiert. Zu solchen Gelegenheiten fahren wir mit ihnen zu einem Spielenachmittag in einem Park in der tiefergelegenen wärmeren Südzone der Stadt, gehen mit ihnen in ein Museum oder auch einmal ins Kino – alles Aktivitäten, die die meisten Familien ihren Kindern nicht bieten können, weil ihnen die finanziellen Mittel dazu fehlen. Für die Väter organisieren wir jährlich ein Fußballturnier, von 2007 bis 2009 zog sich dieses über mehrere Wochen hin, seit 2010 findet es an einem Tag statt. Das Interesse an diesen Turnieren – inzwischen auch bei den Schuhputzerinnen und Frauen von Schuhputzern – ist sehr groß, schließlich handelt es sich beim Fußball um den Nationalsport Boliviens schlechthin. Auch mit den Müttern genießen wir zusammen ihren besonderen Tag bei Spiel und Tanz. So haben sie die Möglichkeit, einen Tag ihrem anstrengenden Alltag zu entfliehen.
Auch christliche Feiertage gestalten wir zusammen, so beispielsweise Allerheiligen und Allerseelen und selbstverständlich auch Weihnachten. Wie in Deutschland üblich laden wir die Schuhputzer und ihre Familienangehörigen zu einer Weihnachtsfeier ein. Neben Geschenken – die Eltern erhalten das typische Weihnachtsgebäck Panetón, die Kinder Bücher oder Spielzeug –, Wettspielen, Tanz und einer Tombola ist es uns aber auch wichtig, die weihnachtliche Botschaft mit ihnen zu teilen. So führen wir seit einigen Jahren ein Krippenspiel auf und singen gemeinsam Weihnachtslieder. Allerheiligen und Allerseelen feiern wir auf bolivianische Art und Weise. Während wir es in Deutschland gewohnt sind, Blumen und Licht als Zeichen des wiederkehrenden Lebens zu den Gräbern zu tragen, wird hier Ende Oktober in allen Häusern Brot für die Toten gebacken. Neben einfachen Brötchen werden verschiedene Figuren mit Gesichtern hergestellt, die für die einzelnen Toten der Familie stehen. Dazu kommt eine Leiter aus Brot, die es den Toten ermöglichen soll, in den Himmel hinaufzusteigen, weiter ein Pferd und ein Adler, die sie an den Ort der ewigen Seligkeit bringen sollen. Eine Krone aus Brot erinnert an das Leiden Jesu. An Allerheiligen um 12.00 Uhr wird dann ein Tisch gedeckt. Neben den Backwaren werden die Lieblingsgetränke und das Lieblingsessen des Toten auf den Tisch gestellt. Sie sollen die Seelen der Toten ermuntern, dazuzukommen. Hinzu kommen Pasancalla (gerösteter Mais) sowie Zuckerrohr als Dach und eine Kerze, die bis zum nächsten Tag um 12.00 Uhr brennt. Während dieser Zeit kommt die Seele des Verstorbenen zu Besuch. An Allerseelen wird der Tisch wieder abgedeckt und die ganze Familie fährt mit den Zutaten zum Friedhof. Dort wird erneut „Tisch gedeckt“ und die Seele des Verstorbenen mit Musik und Tanz sowie unter Gebeten auch von hinzugekommenen Fremden, die oft vom Land kommen und dann mit Backwaren entlohnt werden, wieder verabschiedet.
Wie in allen Familien decken auch wir jedes Jahr im Büro an Allerheiligen einen Tisch und verabschieden uns auf diese Weise von unseren Verstorbenen.

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